Eine Behauptung ist eine Aussage wie eine Bewegung: eine Aufrichtung in der Wirbelsäule und ein Heben des Kopfes. Sie liefert eine Vorlage und eröffnet das Spiel: Sie ist eine Aussage und zugleich eine soziale Handlung, denn sie fordert für den geäußerten Satz Allgemeingültigkeit ein. Behauptungen können wahr oder falsch sein – hierher rühren ihr schlechter Ruf und ihr produktives Potenzial. Sie sind Vorschläge, Realitäten zu schaffen und sich über diese hinaus zu (ent)werfen. Sie sind offen, direkt und explizit. Sie können bezweifelt, bekräftigt, bewiesen oder widerlegt werden. Sie schaffen Steilvorlagen für gesellschaftliche Auseinandersetzungen, für Denk- und Frageprozesse. Sie stehen stets unter dem Verdacht der Manipulation, des Betrugs und der Hochstapelei und bewahren einen Rest Fragwürdigkeit: Sie sind es würdig, befragt zu werden.

Behauptungen sind gesellschaftsstiftend, da sie Gemeingültigkeit beanspruchen, sich stets auf einen Wahrheitsgehalt beziehen und also Beweisführung einfordern. So fragt RECHERCHEN10: Behauptungen danach, in welchen konsensfähigen, aber auch konflikthaltigen Begrifflichkeiten die Gegenwart eingerichtet ist, indem sie ihre Gültigkeit abklopft und ihren Verweisungen folgt. In ihrer Neuformulierung geht es nicht darum, Kontingenz zu erzeugen, sondern Behauptungen zu entwerfen, die um ihre Fragwürdigkeit wissen, ohne von ihrem Geltungsbewusstsein abzurücken.

RECHERCHEN10: Behauptungen lädt disziplinübergreifend Wissenschaftler und Künstler an sechs Abenden ein, Behauptungen zu machen. Sie liefern Vorlagen zur Auseinandersetzung und nähern sich dem Themenfeld aus unterschiedlichen Richtungen, untersuchen es und stellen es zur Diskussion. Dabei werden die Fragen nach Behauptungsmacht, -legitimität und –notwendigkeit auf der Schwelle von Kunst und Politik, Theater und Gesellschaft angesiedelt.

 

Künstlerhaus Mousonturm • Waldschmidtstraße 4 • 60316 Frankfurt am Main • Kartentelefon: 069 / 40 58 95 – 20 • Eintritt: 5 €

Eine Reihe von Esther Boldt und Nadine Vollmer. In Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm und Tanzlabor_21. Unterstützt vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und der Hessischen Theaterakademie.

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